„Einen neuen Blick gewonnen“

Lea Elena Filliger war mit Voyage-Partage unterwegs hat im Mai persönlich berichtet, wie sie ihren Einsatz erlebt hat.

Beeinträchtigte Menschen betreuen, als Fotografin unterwegs sein oder Produktionsabläufe managen: Ihr Einsatz in Kambodscha war für Lea Elena Filliger vielfältig. Sie habe dadurch einen neuen Blick auf die Dinge gewonnen. Die junge Frau berichtete am 23. Mai im Pfarreizentrum in Flawil persönlich von ihren Erfahrungen im Auslandeinsatz. Auch vier kambodschanische Profitänzerinnen waren bei diesem „Brückenbauer-Anlass“ zu sehen.

Zuhören, statt helfen nach Rezept

In Honduras Personen schützen oder im Westjordanland Konfliktbetroffene porträtieren: Am 5. April berichteten junge Erwachsene von ihrem Einsatz im Ausland. Die persönlichen Erzählungen begeisterten. Sie zeigten auch: Hier trafen sich keine Weltverbesserer, sondern Leute die sich von anderen Kulturen prägen liessen. Und die Verhältnisse im Gastland differenziert betrachten.

«Wir waren Bodyguards ohne Waffen», sagt Yannik Wild. Er war ein Jahr lang in Honduras als Menschenrechtsbeobachter bei der Organisation Peace Brigades International. Er erinnert sich besonders an die Ausgangssperre während der Präsidentschaftswahlen. Oft hätten Leute angerufen, die an friedlichen Demonstrationen von der Polizei angegriffen wurden. «Wir entschieden jeweils im Team, ob wir hingehen und durch unsere Präsenz helfen konnten oder ob es zu gefährlich war.» Oft blieb uns nicht mehr, als den Vorfall der UNO oder dem Roten Kreuz melden. «Das war bitter.»

Engagiert erzählt der junge Mann von seinen Erfahrungen im Auslandeinsatz. Dann hört er selber zu, als Marc Peier von seinem Praktikum berichtet. Der 28-Jährige war während drei Monaten für die Stiftung Horyzon im Westjordanland. Dort filmte er junge Erwachsene, die berichteten, wie der Konflikt zwischen Israel und Palästina sie im Alltag betrifft. «Ich habe dabei erfahren, dass man die Welt nicht so einfach verändern kann», sagt Peier.

Anlass für die Berichte war ein Treffen junger Erwachsener, die im Auslandeinsatz waren. Diese diskutierten im Restaurant Schwarzer Engel in St. Gallen rege. Wird die Welt durch solche Einsätze besser? Würde man das Geld für einen Flug nicht besser Spenden? Solche Fragen lagen offen auf dem Tisch. Einfache Antworten gab es nicht. Auch das ist der Auslanderfahrung der jungen Berichtenden zu verdanken. «Mein Tipp ist: Vor allem gut zuhören und nicht mit der Idee kommen, dass man als Schweizer irgendwo hingeht und dort nach Rezept helfen kann», meint Marc Peier.

«Solche Einsätze prägen junge Menschen fürs ganze Leben», sagt Linus Brändle von der Fachstelle Kirchliche Jugendarbeit des Bistums St. Gallen. Er hat das Treffen organisiert, gemeinsam mit der Evang.-ref. Kirche des Kantons St. Gallen. Es war Teil des Projekts «Auslandpraktikum.ch», welches junge Menschen für Einsätze überall auf der Welt begeistern will. Auf der ökumenischen Online-Plattform empfehlen sie Organisationen, die Einsätze anbieten und die jungen Leute dabei seriös begleiten.

Ob als Unterstützung in einem schwedischen Kloster-Gästehaus oder als Berater von Flüchtlingen in Honkong: Die unterschiedlichen Erzählungen im Schwarzen Engel haben berührt. In einem Punkt waren sich die meisten der Berichtenden einig: Das Engagement im Ausland verändert besonders einen selber.